24.
Deutscher Lebensmittelrechtstag Wiesbaden 2011
Thema:
Innovationen als Herausforderung für das Lebensmittelrecht
Zielsetzung
Das Thema „Innovationen“ bildet für Lebensmittelwirtschaft und Lebensmittelrecht eine ständige und zunehmende Herausforderung. Dabei fällt ein eigentümliches Spannungsverhältnis auf: Während in anderen Wirtschafts- und Technikbereichen Innovationen und neue Produkte zumeist als Fortschritt und Verbesserung begrüßt und geringfügige Risiken bereitwillig akzeptiert werden, werden sie im Lebensmittelrecht vielfach vor allem unter dem Aspekt neuartiger Gefahren gesehen und abgewehrt. Das gilt vor allem, wenn sie mit Prädikaten wie „künstlich“, „chemisch“ oder gar „gentechnisch“ in Verbindung gebracht werden. Auch die Rechtsordnung hat mit der „Novel Food-Verordnung“ neuartige Lebensmittel von der grundsätzlichen Erlaubnisfreiheit ausgenommen und stellt besondere Anforderungen, die sich mit den traditionellen Kategorien der Gefahrenabwehr nicht erklären lassen. So selbstverständlich es ist, dass neue Entwicklungen besondere Anforderungen an die Risikovorsorge und Qualitätssicherung stellen, so wird doch immer mehr deutlich, dass das Streben nach einer – ohnehin illusorischen - völligen Risikofreiheit die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit gefährden kann.
Diesen Problemen will sich der
24. Deutsche Lebensmittelrechtstag wiederum im interdisziplinären und
Wissenschaft und Praxis übergreifenden Ansatz stellen: Auf europäischer Ebene
wird der der Anspruch der EU auf eine Art Allzuständigkeit für Innovationen im
gemeinsamen Binnenmarkt erkennbar – eine Frage, die vor allem vor dem
Hintergrund der Lissabon-Entscheidung des BVerfG neu zu diskutieren ist. Im
deutschen Kontext wird zunächst der Vermutung nachzugehen sein, dass die Haltung
gegenüber Innovationen im Lebensmittelbereich einen weit zurückreichenden historischen
und kulturellen Hintergrund haben, der zudem in Deutschland stärker
ausgeprägt ist als in anderen Nationen. Aus rechtlicher Sicht widmet sich das „neue
Verwaltungsrecht“ seit längerem dem Thema Innovation unter Stichworten wie der Risikoermittlung,
Risikobewertung und Risikosteuerung. Auch der Beitrag eines modernen
Verfahrensrechts im Sinne von Transparenz und Orientierungssicherheit wird zu
diskutieren sein. Fragen der Verantwortung der Beteiligten für Innovationen unter
Stichworten werden wie compliance, Haftung und strafrechtlichen Konsequenzen
neu verortet. Wie stets wird das Thema „Bewältigung von Innovation“ auch unter
dem Blickwinkel der Handhabung in der Praxis behandelt.
In mehreren Fallstudien wird es abschließend um einzelne
Problemfelder wie Nanotechnik, „Designerlebensmittel“ und „molekulare Küche“
sowie die oft vernachlässigten Innovationen aus anderen Kulturkreisen gehen.
Abschließend wird gefragt, ob und unter welchen Voraussetzungen das Recht eine
Steuerungsfunktion für Innovationen bereit hält oder ob umgekehrt technische
Innovationen die Reaktion des Rechts bestimmen.
Programm
Allzuständigkeit der EU für Innovationen im Lebensmittelmarkt?
Richter am EuGH Prof. von Danwitz, Köln/Luxemburg
Teil
2: Der soziale und kulturelle Hintergrund.
Zwischen
Paradiessehnsucht und Fortschrittsglaube:
Die Wahrnehmung von
Innovationen in der deutschen und der internationalen Öffentlichkeit.
Prof. Dr. Ulrich Nöhle, Braunschweig
Teil 3: Die rechtliche Bewältigung der Innovation.
Risikoermittlung, Risikobewertung, Risikosteuerung: Öffentlichrechtliche Vorgaben.
Der Beitrag des "neuen Verwaltungsrechts" zur Verarbeitung von Innovationen.
Prof. Dr. Arno Scherzberg, Erfurt
Konsequenzen für das Lebensmittelrecht.
Prof. Dr. Monika Böhm, Marburg
Die Verantwortung für Innovationen.
Lebensmittelrechtliche Compliance, Haftung, strafrechtliche Konsequenzen.
Prof. Dr. Eric Hilgendorf, Würzburg
Fallstudie 1: Vom funktionellen Lebensmittel zum Designer-Lebensmittel.
Eine kritische Betrachtung aus Sicht der Risikobewertung.
Prof. Dr. Dr. Alfonso Lampen, Berlin
Die Förderung und Bewältigung von Innovationen in der Praxis.
Dr. Gunter Fricke, Frankfurt/Main
Fallstudie 2: Chancen und Gefahren der Nanotechnik im Bereich der Lebensmittel.
Dr. Andrea Bokelmann, Münster
Fallstudie 3: Innovationen aus anderen Kulturkreisen.
Dr. Ina Gerstberger, München
Teil 5:
Podiumsdiskussion.
Die Steuerungsfunktion des Rechts für Innovationen im Lebensmittelbereich.