21. Deutscher Lebensmittelrechtstag Wiesbaden 2008

Thema

Gesundheit durch Lebensmittel?
Lebensmittelrecht als Mittel der Gesundheitspolitik


Zielsetzung

Betrachtet man die Ziele des Lebensmittelrechts, so fällt ein grundlegender Perspektivenwechsel auf. Standen bisher vor allem der Schutz vor Gesundheitsgefahren und vor Täuschung im Mittelpunkt, so gewinnen anscheinend mehr und mehr die Verwirklichung von Gesundheit und  Fitness durch Lebensmittel an Boden. Gesund­heits­bewusste, physiologisch ideale und ökologisch korrekte Ernäh­rung ist zum Leitmotiv breiter Konsumentengruppen geworden. Gesundheitsfördernde Lebensmittel finden weit über „Functional Food“ ihren Markt in Kernbereichen des Angebots. Die Grenzen von Lebensmittelpolitik und Gesundheitspolitik verschieben sich. Gesundheits­bewusste Ernährung gerät in den Fokus der Gesundheitspolitiker. Rabatte bei der Krankenversicherung bei gesunder Ernährung; Sanktionen bei ungesunder Ernährung werden diskutiert.

Diese Entwicklung wirft auch für das Lebensmittelrecht neue Fragen auf und stellt alte Fragen mit ganz neuen Akzenten. Wandelt sich der traditionelle Gesundheitsschutz vor ungeeigneten Lebensmittel zur Gesundheitsverwirklichung  durch besonders geeignete Lebensmittel? Verschieben sich die Grenzen von Lebensmitteln und Arzneimitteln?  Werden wir es künftig mit einer neuen Kategorie von Gesundheits­mitteln zu tun haben ? Ergeben sich Änderungen für das Vorsorgeprinzip und die Gefahrenabwehr  durch die „Gesundheitswirkung“ von Lebensmitteln? Ergeben sich neue Anforderungen an die Lebensmittelkennzeichnung und moderne Formen der Verbraucherinformation?  Können Gesundheitsversprechen in praxistauglicher und verbrauchergerechter Weise kontrolliert werden, ohne dass das Leitbild des mündigen Verbrauchers und die Werbefreiheit in Gefahr geraten? Welche Anreize und Sanktionen gibt es für die Anbieter besonders gesundheitsnaher Lebensmittel? Auch den Folgen für das Wettbewerbsrecht wird nachzugehen sein.

Der 21. Deutsche Lebensmittelrechtstag stellt sich damit eine anspruchsvolle Aufgabe, die in bewährter Kooperation von Wissenschaft und Praxis erfüllt werden soll. Die Veranstalter laden alle Interessierten in Lebensmittelwirtschaft, Wissenschaft, Verbraucherschaft, Lebensmittelüberwachung sowie in Werbung und Medien nach Wiesbaden ein.

 

Programm

Teil 1: Grundlagen – alte und neue Ziele des Lebensmittelrechts

Lebensmittel und Gesundheit: Eine kulturgeschichtliche Betrachtung
Prof. Dr. Klaus Bergdolt, Köln

Lebensmittel – Gesundheitsmittel – Arzneimittel
Prof. Dr. Christian Calliess, Göttingen

Teil 2: Sicherheit und Wirksamkeit gesundheitsbezogener Lebensmittel

Gesundheitswirkung: Rechtsnormen, Bewertung, Risiko, Entscheidung 
Prof. Dr. Jochen Taupitz, Mannheim

Neue Herausforderungen an die Lebensmittelkennzeichnung  -  Nährwerte, Sign-Posting, virtuelle Informationen
Andreas Kadi, Brüssel

Die praktische Sicht: Perspektive der Lebensmittelüberwachung
Die amtliche Kontrolle von Gesundheitsversprechen: Anspruch, Wirklichkeit, Grenzen
Friedrich Gründig, Dresden
Dr. Daniela Schweitzer, Freiburg

Perspektive der Lebensmittelwirtschaft: Chancen und Grenzen der Gesundheitsversprechen
Prof. Dr. Matthias Horst, Bonn/Berlin

Teil 3: Instrumente

Gesundheitsversprechen: Schutz und Sanktionen. Die zivilrechtliche Seite: Verträge und Schadensersatz, Produkthaftung
Prof. Dr. Wolfgang Voit, Marburg

Gesundheitsversprechen: Die wettbewerbsrechtliche Sicht
Prof. Dr. Helmut Köhler, München

Teil 4: Podiumsdiskussion

Lebensmittelrecht und Gesundheitspolitik:  In der Position des Zauberlehrlings?
Leitung: Prof. Dr. Friedhelm Hufen
Teilnehmer:
Bernhard Kühnle, Bonn/Berlin
Prof. Dr. Matthias Horst, Bonn/Berlin
Friedrich Gründig, Dresden
Stefan Etgeton, Berlin